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Artikel über arena im Manager-Magazin 6/2006

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Artikel über arena im Manager-Magazin 6/2006

Beitragvon websurfer83 » 02.07.2006, 17:28

Manager-Magazin 6/2006

Nicht mit anzusehen

Von Klaus Boldt und Anne Preissner

Die deutschen Bundesligafans brauchen starke Nerven: Für die Übertragung sind Anfänger zuständig: Erstaunlicherweise hat die Deutsche Fußball Liga der völlig bedeutungslosen Firma Arena, auf dem Gebiet der Fußballübertragung ohne jede Erfahrung, die TV-Verwertungsrechte verkauft.

Es ist neun Uhr abends, die Gewerbefreunde haben das Gewerbegebiet in Köln-Braunsfeld verlassen. Nur in der Josef-Lammerting-Allee 12 brennt noch ein Lichtlein, oben im ersten Stock. Irgendwer schiebt Überstunden - und zwar inkognito: kein Schild an der Tür.

An diesem trostlosen Ort befindet sich, was man als strategisches Hauptquartier der Arena Sport Rechte und Marketing GmbH bezeichnen könnte, würde einem nicht so bang und elend zumute beim bloßen Anblick: Ein gewisser Albrecht Schmitt-Fleckenstein (45), einst Sportchef von Sat 1, und seine Gefolgsleute entwickeln hier das Redaktionskonzept für das wichtigste deutsche Fernsehprogramm aller Zeiten: die Übertragung der Bundesligasaison 2006/2007 im Bezahlfernsehen.

Erstaunlicherweise hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Dezember der völlig bedeutungslosen Firma Arena, einer Tochter der Kabelgesellschaft Unity Media und auf dem Gebiet der Fußballübertragung ohne jede Erfahrung, die TV-Verwertungsrechte an den Spielen der ersten und zweiten Liga verkauft.

Rund 250 Millionen Euro pro Saison hielten Unity-Chef Parm Sandhu ( 37 ) und Arena-Spitze Bernard de Roos ( 48 ) für einen fairen Preis. Die DFL auch. Drei Jahre läuft der Kontrakt. Das Geschäft hat viele überrascht und mitgenommen: den früheren Lizenzinhaber Premiere Chart zeigen, aber auch Arena selbst.

Die Leiter der neuen Station machen zurzeit keinen wesentlich schlaueren Eindruck als ein Haufen Bauernjungen in der Griechischstunde: Sie haben ihre Fähigkeiten völlig falsch eingeschätzt.

Sechs Wochen vor dem Saisonstart am 11. August ist der Kanal immer noch ein Provisorium. Die sporadischen Verlautbarungen der Freude und der Fortschritte kopieren eher die Aufregung eines professionellen Unternehmens, als dass man sie glauben könnte.

De Roos bewegt sich durch die Fernsehlandschaft wie eine Figur von Eichendorff: An jeder Ecke bleibt er stehen und guckt in die Luft.

Weder Technik noch Redaktion sind voll einsatzfähig, geschweige denn auf ihre Zuverlässigkeit geprüft; nur in zwei Bundesländern, den Unity-Herrschaftsgebieten Hessen und Nordrhein-Westfalen, ist Arena im Kabelnetz; zwar soll Satellitenempfang möglich sein, doch Interesse hat die Kabeltochter Arena daran kaum.

Arena-Intendant de Roos zeigt eine von Herzen ungewandte Strategie. Was er sich bei all den Vorgängen denkt, die er veranlasst hat, möchte er aber lieber für sich behalten.

Wer immer dem Holländer den Betrag von jährlich 250 Millionen Euro anvertraut hat, und die Deutsche Bank Chart zeigen bürgt dafür, mag dieser Tage darüber sinnen, ob er nicht bessere Anlagemöglichkeiten verpasst hat. Beim Arena-Geschäftsmodell pfeift es zugig durch alle Ritzen. Ein Liga-Manager stöhnt: "Das ist kaum noch mit anzusehen."

Die Verhandlungen mit Kabelfirmen, die Arena jenseits von Nordrhein-Westfalen und Hessen vertreiben sollen, kommen so langsam voran, als seien die Unterhändler zu Fuß unterwegs. Zudem droht Konkurrenz von der Deutschen Telekom Chart zeigen: Die Anstalt hat für 45 Millionen Euro pro Jahr die Übertragungslizenz für das Internet gekauft.

Dessen ungeachtet glaubt de Roos, bis 2009 etwa 3,5 Millionen Abonnenten zu gewinnen - und ruiniert mit Billigangeboten erst einmal dauerhaft die Preise: Premiere war teilweise mehr als doppelt so teuer. Doch trotz Anbaggerns auf die Billigtour läuft es schlecht. Intern kalkuliert Unity Media bis 31. Juli nur mit 176.000 Arena-Kunden: eine grotesk niedrige Zahl so kurz vor Saisonbeginn.

Damit sich der Einsatz rechne, brauche Arena im Jahresdurchschnitt 2,5 Millionen Abonnenten, sagt Frank Ewerdwalbesloh (39), Partner beim Telekommunikationsberater Goetzpartners. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Arena in den kommenden drei Jahren insgesamt 1,3 Milliarden Euro investieren: Allein die Akquisitionskosten pro Kunden betragen 150 bis 200 Euro.

Überlebenswichtig sind jetzt Kontrakte mit Netzbetreibern. Seit Monaten verhandelt de Roos mit Deutschlands größter Kabelfirma KDG. Es sind quälende Runden: Wochenlang legten die Arena-Leute Gesprächspausen ein, möglicherweise aus Erschöpfung oder um souverän zu wirken. Ständig, mault ein KDG-Offizieller, schickten sie neue Leute in die Verhandlungen.

Nachdem im April Christoph Bellmer (43) als Chief Operating Officer von Unity verpflichtet wurde, ging es besser, aber gut noch lange nicht. Bellmer, ehedem Befehlshaber von Toll Collect, hat es schwer: KDG möchte das Fußballpaket nicht nur vertreiben, sondern am liebsten selbst vermarkten. Siedendheiße Vorabmeldungen des "Sterns", wonach eine Einigung nur noch eine Frage von Sekunden sei, erweisen sich mittlerweile seit Wochen als das, was man in Fachkreisen als Ente bezeichnet. Nun warnt Bellmer davor, dass zum Start von Arena "nicht alles glatt" gehen werde.

Vielleicht hat de Roos bei der Frage, wer am längeren Hebel sitzt, einfach und endgültig die Orientierung verloren. Auf der Arena-Homepage lässt er erkennen, dass er keine direkten Kontakte mehr zu KDG pflegt: "Der Presse entnehmen wir Zuversicht seitens der KDG, live Bundesliga zu zeigen - und das freut uns."

Freude ist überhaupt eine der bevorzugten Gefühlsäußerungen des Masters of Disaster, der mit EM.TV Chart zeigen unentwegt über redaktionelle Hilfslieferungen verhandelt und gleichzeitig mit der Exklusivmeldung aufwartet, ein "exzellentes Team" verpflichtet zu haben.

Doch seine Moderatorenriege genügt allenfalls zweitklassigen Ansprüchen. Beruhigenderweise hat sich die zwischenzeitlich hinaustrompetete Partnerschaft von Deutscher Telekom (inklusive Kaisermoderator Franz Beckenbauer) relativ schnell zerrüttet. Die Telekom, die so mutig mit den Muskeln gewackelt hatte, will keinen Streit mehr mit der DFL.

Flehend und mit gefalteten Händen wirbt ein Fußballfan in einer Anzeige für ein Arena-Abo. Dieser verzweifelte Unbekannte ist möglicherweise der einzige Mensch, der von Arena bezahlt wird und trotzdem weiß, dass nur Beten hilft.


Quelle: http://www.manager-magazin.de/magazin/a ... 46,00.html

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Beitragvon Heiner » 02.07.2006, 17:30

Hast du die Genehmigung der SpiegelNet GmbH? :D :zwinker:
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Beitragvon websurfer83 » 02.07.2006, 17:32

Heiner hat geschrieben:Hast du die Genehmigung der SpiegelNet GmbH? :D :zwinker:


Nein, aber das dient hier ja für wissenschaftliche, nicht-kommerzielle Zwecke. Und wenn ich die Quelle angebe, dürfte es keine Probleme geben.
Zuletzt geändert von websurfer83 am 15.07.2006, 12:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon mischobo » 04.07.2006, 01:16

... die vom Manager-Magazin müssen ja DIE Ahnung haben.
Meines Erachtens ist es eine stolze Leistung in so kurzer Zeit ein neues Pay-TV-Programm aus dem Biden zu stampfen und das was die arena-Leute bisher geleistet haben, such tin unserem Lande seinesgleichen.
Erschwerend kam noch hinzu, dass Premiere dem neuem Programmanbieter das Leben nicht unbedingt einfach gemacht hat. Nun sind es noch ca. 6Wochen und wenn wird dann die Bundesligaspile auf unserem Fernseher haben, dann sollte man den Leut's von Arena mal kräftig auf die Schulter klopfen, denn dann haben sie ihren Job gut gemacht.
Natürlich kann es passieren, das nicht alles auf nhieb so funktioniert wie geplant, aber man sollte denen auch eine Chance gebe.

Das was arena in der kurzen Zeit geleistet hat, wird das Manager-Magazin-Klientel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht leisten können.

Mehr von sowas wie arena und unserem Land würde es deutlich besser gehen ...
mischobo
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