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Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Allgemeine Fernseh- und Radiothemen werden in diesem Forum behandelt.

Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Beitragvon HNIKAR » 09.09.2012, 19:05

Laut einem aktuellen Bericht auf teltarif.de haben haben die ITU ( Internationale Fernmeldeunion), die Deutsche TV-Plattform und die NLM
(Nie­der­säch­sische Lan­des­medien­an­stalt) den Ab­schluss­be­richt des "DVB-T2 Mo­dell­ver­suchs Nord­deutsch­land" auf der IFA vor­gestellt.

Darin kommt man zu dem Ergbnis, dass DVB-T2 in Deutschland marktreif sei.
Das ist eine wenig verwunderliche Aussage, wenn man sich z. B. unsere Nachbarland Frankreich anschaut.
Dort wird DVB-T2 schließlich bereits seit 2008 erfolgreich und flächendeckend eingesetzt. In Großbritannien ebenfalls.
Im Grunde sind sämtliche unserer Nachbarländer (insbesondere in Osteuropa) wesentlich weiter was DVB-T2 anbelangt.
Aus meiner Sicht ist DVB-T in Deutschland daher nicht nur marktreif, sondern viel eher überreif!

Im Abschlussbericht wird die Befürchtung geäußert, dass dem terrestrischen Fernsehen ein weiterer Frequenzverlust droht,
wenn die Weiterentwicklung von DVB-T jetzt nicht konsequent vorangetrieben wird.
Die Begehrlichkeiten der Mobilfunkanbieter auf die lukrativen DVB-T-Frequenzbänder steigen mit dem zunehmenden Bandbreitenhunger,
den das Wachstum beim mobilen Internet derzeit dem Mobilfunk beschert, enorm.
Auf der letzten Weltfunkkonferenz (WRC) der ITU im Januar stand diese Grundsatzfrage jedenfalls bereits auf dem Tableau.

Ich würde das für eine bedauerliche Entwicklung halten, denn wenn dieser Weg erstmal eingeschlagen ist, dann gibt es kein Zurück mehr.
DVB-T ist in meinen Augen nach wie vor ein wichtiges, unverzichtbares 3. Standbein des Fersehens in Deutschland.
Zweifellos wurde es sträflich vernachlässigt in den letzten 10 Jahren...

DVB-T2 bietet die Möglichkeit, endlich ein wenig zu DVB-C und DVB-S2 aufzuschließen.
Die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, die bisher die Entwicklung von DVB-T maßgeblich vorangetrieben haben,
müssen sich dringend mit den privaten Anbietern zusammensetzen und eine schnelle Umsetzung von DVB-T2 veranlassen.
Die Lösung liegt eigentlich so nahe: Eine Implementierung von DVB-T2 im MPEG-4-Standard und konsequenter Nutzung der 256-QAM-Modulation.
Die Öffentlich-Rechtlichen in Stuttgart (Frauenkopf) setzten z. B. bei TVB-T mit ihren 12 Sendern auf die veraltete MPEG-2-Kompression,
während die Privaten bzw. in diesem Fall RTL bei ihrem fragwürdigen VISEO+-Angebot mit 6 Sendern auf den besseren MPEG-4-Standard bauen.
DVB-T2 in Verbindung mit MPEG-4 würde erstmals sogar HD-Inhalte via DVB-T ermöglichen.
Wenn ich jetzt an gewisse Nichteinspeisungen denke, dann sollte das die Öffentlich-Rechtlichen in Ihrem DVB-T2-Bestreben doch beflügeln.
Hier in der Region Stuttgart könnte so z. B. das gesamte bisherige Programmangebot der Öffentlich-Rechtlichen verlustfrei in HD gesendet werden.

Was mich hier auch wieder maßlos ärgert, weil es sich einmal mehr als BREMSKLOTZ erweist, ist die Anspruchshaltung der Privaten Sender
(vor allem die der beiden großen privaten Sendergruppen RTL- und Pro7Sat1Media - wer hätt's gedacht...).
Wie man schon an "Viseo+" sieht, wollen diese ihr Angebot um's Verrecken nur mit Grundlosverschlüsselung anbieten.
So wird das nichts... :nein:
Zur Not müssen die Öffentlich-Rechtlichen eben im Alleingang den Vorreiter mimen um nicht vollständig in die totale Abhängigkeit
der beiden Kabelnetzbetreiber und Astra zu geraten. :kafffee:

Wie steht ihr dazu?
Welche Bedeutung messt ihr dem terrestrischen Fernsehen zu?
Hat DVB-T/DVB-T2 aus eurer Sicht eine Zukunft?
Wie seht ihr die politische Funktion von DVB-T als "3. Standbein"?
MfG,
HNIKAR

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Re: Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Beitragvon Matrix110 » 09.09.2012, 21:32

DVB-T hätte in der Form gar nicht erst eingeführt werden dürfen, komplette Verschwendung von Frequenzen in der jetzigen Form.

DVB-T2 ist genauso sinnfrei, viel zu stark eingeschränkte Programmauswahl, kosten in 3 stelliger millionenhöhe die wir wieder tragen dürfen, für ein System welches ein Bruchteil der Bevölkerung TV Empfang ermöglicht, wenn es schon seit Ewigkeiten bessere Systeme gibt, die praktisch Flächendeckend verfügbar sind.

Lieber die Frequenzen für Milliardenbeträge an die Mobilfunkbetreiber verpachten und damit etwas sinnvolleres anstellen...
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Re: Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Beitragvon HNIKAR » 10.09.2012, 10:19

Matrix110 hat geschrieben:DVB-T hätte in der Form gar nicht erst eingeführt werden dürfen, komplette Verschwendung von Frequenzen in der jetzigen Form.

Ich finde man sollte das eine nicht notwendigerweise mit dem anderen verquicken.
Es besteht kein Zweifel daran, dass zum damaligen Zeitpunkt (ab 2003) die Einführung von DVB-T
richtig und wichtig war, da es für viele Haushalte die gewohnte und preisgünstieg Emfangsart war.
Rein von der Technik her ist die Zimmerantenne wohl eine der effektivsten und eleganteste Lösungen.
Zumindest "indoor" möglich - im Gegensatz zu Sat-Empfang.

Wo ich dir allerdings gerne zustimme ist die "Frequenzverschwendung."
Das Beispiel aus der Region Stuttgart zeigt, dass das Programmangebot den Möglichkeiten weit hinterherhinkt. Dafür großartig Platz zu reservieren halte ich ebenfalls für recht sinnbefreit.
Das es aber mit DVB-T heute schon auch anders geht zeigt z. B. Berlin.
Dort sind zur Zeit 40 Sender unverschlüsselt on Air (darunter auch die großen Privaten
von RTL und Pro7Sat1). Das ist mehr, qualitativ und inhaltlich besser als das was
Kabel BW derzeit noch analog im Kabel serviert. Die Technologie ist gut, das Problem sind die Sender. Im Rest der Republik wird - wie hinlänglich bekannt - die Hauptlast von DVB-T durch
die Öffentlich-Rechtlichen getragen.

DVB-T2 ist genauso sinnfrei, viel zu stark eingeschränkte Programmauswahl, kosten in 3 stelliger millionenhöhe die wir wieder tragen dürfen, für ein System welches ein Bruchteil der Bevölkerung TV Empfang ermöglicht, wenn es schon seit Ewigkeiten bessere Systeme gibt, die praktisch Flächendeckend verfügbar sind.

Mein Guter, das ist totaler Unfug. Wenn Berlin heute mit DVB-T mit maximal 64-QAM und MPEG-2 problemlos 40 Sender hinbekommt, dann überlege bitte einmal im Stillen, was DVB-T2 unter der von mir oben bereits vorgeschlagenen Konfiguration mit MPEG-4 und 256-QAM für neue Möglichkeiten eröffnet! So viele Sender sinnvolle haben wir in Deutschland gar nicht... :kafffee:

Als Smartphonebesitzer stelle ich mir übrigens auch die Frage inwiefern es sinnvoll und geboten ist,
dass ich mir/wir uns bandbreitenintensive TV-Inhalte via UMTS/LTE über teure Datenpakete auf die Smartphones und andere mobilgeräte holen, obwohl es eigentlich schon eine bessere Möglichkeit
hierfür gibt. Einfach DVB-T(2)-Empfangsteil einbauen und fertig. Externe Lösungen unbenommen.
Mobiles TV ist am besten über DVB-T2 zu lösen. Dann brauchen wir auch nicht mehr über Frequenzverschwendung sprechen. Telekom, Vodafone, Telefonica und E-Plus sehen das natürlich komplett anders, da Traffic = Geld!

Das ist die Krux an der Frequenzfreigabe für den Mobilfunk. Dieser würde aus starkem Eigenantrieb
heraus sehr gerne die Rolle von DVB-T übernehmen und fordert deshalb lautstark die Frequenzen.
Für mobiles TV würde dann keine Weg mehr an einem Mobilfunkprovider vorbeiführen. Ist das das Ziel?

Die weitere Monopolisierung von Sat und - vor allem - Kabel hatte ich ja bereits angedeutet.
Will sagen, wenn ARD und ZDF heute schön vom Frauenkopf ihre Sender in DVB-T2 abstrahlen würden, dann wäre die Diskussion um die Einspeisegebühren im Kabel wohl auch eine ganze andere.
Da würde ich - und sicherlich einige andere verprellte Kunden auch - erst gar nicht lange fakeln und über die Nichteinspeisung abkotzen, sondern einfach hergehen, ein preiswertes Antennchen zusätzlich zum Kabelanschluss holen und an die Glotze daheim anschließen. Problem gelöst.
Es gäbe hier in der Region dann für alle; Arte HD, Phoenix HD, 3sat HD, Zdf_neo HD, ZDFinfo HD
KI.KA HD, SWR HD, BR HD, WDR HD...

Lieber die Frequenzen für Milliardenbeträge an die Mobilfunkbetreiber verpachten und damit etwas sinnvolleres anstellen...

Dann Sag mir nur was! Noch mehr exklusvie Frequenzen an den Mobilfunk abgeben, damit sich die Provider beim Netzausbau weiterhin ausruhen können bzw. nicht so sehr anstrengen müssen? :kratz:
Da erschließt sich mir jedenfalls keine große Sinnhaftigkeit.
MfG,
HNIKAR

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Re: Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Beitragvon Matrix110 » 10.09.2012, 19:27

Der Zeitpunkt der DVB-T Einführung war ja wohl vollkommener Unsinn.
3 Menschen in Deutschland haben noch per Zimmerantenne geschaut, es gab KEINERLEI bedarf für ein bei Einführung veraltetes System wie DVB-T. Lieber hätte man das ganze nicht so überstürzt gemacht.
Allein schon h.264 zu verwenden hätte solche Immensen Vorteile für etwas wo die Bandbreite so gering ist, aber was macht man?
Oh nein die Chips sind so teuer, weil die noch keiner benutzt, lass uns lieber einen Codec nehmen der 5mal soviel Bandbreite benötigt für das qualitativ gleichwertige Bild.
Das RTL Projekt in BW hatte hier einen guten Ansatz, aber da war der Zug schon abgefahren...

Und der Vergleich mit dem Analog Kabel ist vollkommen fehl am Platze. Analog Kabel ist ein Relikt, was schon längst hätte begraben werden sollen, aber aufgrund schlechter Zusammenarbeit von Industrie und Inhalteanbietern und der viel zu komplizierten Grundverschlüsselung die von wem auch immer gefordert wird nicht möglich war.

Die qualität der DVB-T Sender ist damit in Berlin trotzdem immernoch [zensiert], ein Analog Kabel Bild sieht ebenfalls besser aus.

Mein Guter, das ist totaler Unfug. Wenn Berlin heute mit DVB-T mit maximal 64-QAM und MPEG-2 problemlos 40 Sender hinbekommt, dann überlege bitte einmal im Stillen, was DVB-T2 unter der von mir oben bereits vorgeschlagenen Konfiguration mit MPEG-4 und 256-QAM für neue Möglichkeiten eröffnet!


In Berlin werden knapp 15MBit pro Kanal erreicht im Mittel und es stehen momentan 9 Kanäle zur Verfügung über ingesamt 70MHz (stark verteilt allerdings), macht also massive 135MBit/s. Mit DVB-T2 würde sich das ganze auf etwa 200MBit erhöhen lassen.
200MBit sind bei weitem nicht ausreichend um damit eine Sendervielfalt UND HD Sender hinzubekommen.
13 ÖR HD Sender -> >90MBit weg wenn die teilweise ihre Regionalstreams noch einspeisen noch mehr der NDR hat z.B. 4
5 großen Privaten in HD -> 35MBit weg
Bleiben also 65MBit für Sendervielfalt.

Und das ist jetzt das Paradebeispiel Berlin. In vielen Regionen haben wir einfach keine 9 Kanäle. In Hessen z.B. 6 und das ist noch gut. In manchen Regionen gibt es nur 3 Kanäle... da reicht es mal gar nicht für HD.
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Re: Die Zukunft von DVB-T bzw. DVB-T2

Beitragvon mege » 12.09.2012, 16:45

Ich finde DVB-T bzw. DVB-T2 nicht schlecht. Es gibt viele Menschen, die häufig unterwegs sind und dank DVB-T dann unabhängig von Kabel und Sat TV empfangen können.
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