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Staatsanwalt ermittelt gegen Sky

Deutschlands größter Pay-TV-Anbieter ist auch bei Unitymedia im Kabel empfangbar.

Staatsanwalt ermittelt gegen Sky

Beitragvon D-Link » 24.11.2010, 04:19

Der Abo-Sender Sky muss mit Strafzahlungen rechnen: Die Börsenaufsicht hat in den Bilanzen Fehler entdeckt – und zwar aus der Zeit, als das Unternehmen noch Premiere hieß. Nicht nur die Abonnentenzahlen waren geschönt.

MÜNCHEN. Es mutete an wie ein Märchen. Jahrelang hatte der Bezahlsender Premie einem Eigner Leo Kirch nichts als milliardenschwere Verluste gebracht. Am Ende brach sogar das Imperium des Medienmoguls unter der Last zusammen.

Aus dem Pleite-Konglomerat überlebte jedoch ausgerechnet der Bezahlsender. Der begnadete Verkäufer Georg Kofler brachte den Konzern sogar vor gut fünf Jahren an die Börse, die Investoren rissen ihm die Aktien förmlich aus den Händen. Zwölffach überzeichnet war die Emission – mehr als eine Mrd. Euro sammelte Kofler ein. „Mit dem erfolgreichen Börsengang lässt Premiere die Vergangenheit endgültig hinter sich“, frohlockte Kofler damals.

Heute heißt Premiere Sky, Kofler hat sich längst verabschiedet. Der neue Großaktionär ist Rupert Murdoch – doch viel Freude hat auch er mit seinem verlustträchtigen Engagement nicht. Mittlerweile wird immer deutlicher, warum der Sender nicht aus den roten Zahlen kommt: Es fehlt bis heute schlicht eine ausreichende Kundenbasis, die entsprechenden Zahlen waren jahrelang geschönt.

Kofler und sein Intimus Michael Börnicke – erst Finanzvorstand, dann Koflers Nachfolger als Vorstandschef – haben mit Premiere offenbar viel heiße Luft verkauft. Das hat Murdoch schon lange vermutet, doch seit gestern ist dieser Befund amtlich: Die Börsenaufsicht BaFin habe Fehler im Jahresabschluss 2007 und im Halbjahresbericht 2008 festgestellt, räumte Sky in aller Frühe ein. Die Aktie brach daraufhin zunächst um zehn Prozent ein. Die Anteilsscheine des einstigen Börsenstars sind ohnehin kaum noch etwas wert.

Die BaFin hatte sich die Bilanzen genau angesehen. Nicht nur die Abonnentenzahlen waren geschönt, auch habe Premiere seinen Aktionären im Konzernlagebericht 2007 verschwiegen, wie riskant das Geschäftsmodell ist, da alle paar Jahre ein teures Wettbieten um die Fernsehrechte für die Spiele der Fußball-Bundesliga entbrennt. Die Bundesliga aber ist das wichtigste Zugpferd des Senders – viele Kunden haben ihr Abo nur deshalb. Zudem habe Premiere falsche Angaben zu seinem Firmenwert gemacht und die Ertragslage beschönigt, lauten die Vorwürfe. Sky Deutschland drohen nun Bußgelder. Nach einer Anzeige ermittelt auch die Münchener Staatsanwaltschaft – wegen Betrugsverdacht.

„Ich habe ein absolut reines Gewissen“

Kofler sieht bei sich keine Schuld. „Ich habe ein absolut reines Gewissen“, sagte er gestern dem Handelsblatt. Die kritisierten Abschlüsse seien erst nach seinem Abgang erstellt worden, für die Bestimmung von Abonnentenzahlen gebe es keine bilanzrechtlichen Standards, und bei den Themen rund um die Bundesligarechte habe man eigens Gutachten von Wirtschaftsprüfern eingeholt. Auch Sky bezeichnete die Ergebnisse der BaFin-Prüfung gestern als „unzutreffend“ und will dagegen klagen.

Das Behördenurteil trifft Sky zur Unzeit. Die Lage bei dem Unternehmen ist trotz hartnäckiger Durchhalteparolen trostlos. Von der Scheinblüte rund um den Börsengang einmal abgesehen, die 2005 lediglich einmal einen Gewinn bescherte, hat der Pay-TV-Konzern bislang nur Verluste gemacht – in bewährter Kirch-Tradition. Für 2010 rechnet die Gruppe mit einem operativen Minus von bis zu 280 Mio. Euro. Lediglich die Geldspritzen von Großaktionär Murdoch halten den Konzern über Wasser. Seit seinem Einstieg 2008 steckte der Medienmogul bereits vier Mal frisches Geld in das Unternehmen.

Bereits als Murdoch das Unternehmen kaufte, wurde er böse überrascht. Seine Bestandsaufnahme zeigte, dass die Zahl der echten Abonnenten – vorgeblicher Erfolgsnachweis des Bezahlsenders – von 3,4 Mio. auf 2,3 Mio. nach unten korrigiert werden musste. Viele Karteileichen waren zuvor einfach mitgezählt worden. Der Kurs der Aktie brach nach der drastischen Korrektur der Abozahlen ein, Premiere musste bislang in Vergleichen 14 Mio. Euro an Anleger zahlen. Noch immer laufen Verfahren. Die BaFin bestätigt nun die Sky-Einschätzung, dass die echte Abonnentenbasis früher niedriger war als ausgewiesen.

Kofler hatte einst seine eigenen Premiere-Anteile rechtzeitig versilbert. Heute beschäftigt er sich längst mit anderen Dingen. Kofler Energies heißt das neue Steckenpferd – ein Unternehmen, dass Kunden eine Art Energiespar-Abo verkaufen will. Der Vorstandschef Georg Kofler denkt gerade über einen Börsengang nach.

Abenteuer Pay-TV

Leo Kirch: Mit DF1 und Premiere versuchte der Medienmogul Mitte der Neunziger die Deutschen für das Abofernsehen zu begeistern. Der Versuch floppt. Die hohen Verluste sind ein Grund für die Kirch-Pleite 2002.

Georg Kofler: Der Kirch-Ziehsohn rettete Premiere aus der Insolvenzmasse und bringt den Sender 2005 an die Börse. Danach verzockte sich Kofler bei den Bundesligarechten. Es folgten hohe Verluste. Kofler stieg 2007 aus.

Rupert Murdoch: Der Medienzar übernahm ab 2008 schrittweise den Bezahlsender und taufte ihn in Sky Deutschland um. Die Verluste bleiben, bis heute ist keine Besserung in Sicht. Murdoch plant die mittlerweile vierte Kapitalerhöhung.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/abosender-staatsanwalt-ermittelt-gegen-sky;2698666;2
http://www.wdr.de/radio/wdr2/podcast/mp3/aktuell_wdr2.mp3
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