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Das lange Warten auf Antwort: Kampf um die Fußball-Bundeslig

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Das lange Warten auf Antwort: Kampf um die Fußball-Bundeslig

Beitragvon websurfer83 » 07.07.2006, 17:32

Das lange Warten auf Antwort

Kampf um die Fußball-Bundesliga: Der größte Kabelkonzern KDG hält den Rechtebesitzer Arena auf Distanz - und nähert sich Premiere

Es schien ein wunderbarer Doppelpass zu werden. Die Münchner Kabel Deutschland GmbH (KDG) und die Kölner Firma Unity Media, die zwei größten deutschen Kabelnetzbetreiber, zusammen im Kampf um die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga - das war für viele eine attraktive Paarung. Eine gemeinsame Firma war geplant. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Vereinigung der Profiklubs, war darauf vorbereitet.

Doch dann brach, 48 Stunden vor der Rechtevergabe der DFL am 21. Dezember 2005, die KDG mit ihren zehn Millionen Kunden plötzlich aus. Unity entschloss sich nach kurzer Bedenkzeit, die teure Sache (Rechtekosten pro Saison: 220 Millionen Euro) auch alleine zu versuchen. So ging die Bundesliga an die Unity-Tochter Arena, die in wenigen Wochen - Saisonstart: 11. August - loslegt.

Seit dem seltsamen Münchner Manöver halten sich Gerüchte, dass die KDG in Wahrheit engen Kontakt mit einem anderen Medienhaus pflegt: mit dem Pay-TV-Betreiber Premiere, der seit 1991 die Bundesliga gezeigt hat und die Verhandlungen mit der DFL vergeblich dazu nutzen wollte, den aktuellen Fußball aus der Sportschau der ARD zu verbannen. Ging die KDG bewusst kurz vor Toresschluss von der Fahne, damit Premiere nach Möglichkeit keinen Konkurrenten bekommt? In diesen Tagen tauchen noch ganz andere Informationen auf: Die finanzpotente Firma KDG rückt enger an Premiere heran - von loser Kooperation bis Verschmelzung erscheint alles möglich. Offenbar ist die größere Nähe auch im Sinne der bayerischen Landesregierung, die den Standort München stärken will.

Vielleicht ist so zu erklären, dass die neue Fußball-Größe Arena seit drei Monaten vergeblich mit dem größten deutschen Kabelnetzbetreiber KDG über eine Kooperation redet - nichts bewegt sich. Ursprünglich war der 10. Juli, der Tag nach dem Fußball-WM-Finale, als Startdatum für einer große Kampagne vorgesehen, doch das muss verschoben werden. Die Fußball-Klubs sind alarmiert. Eine Blockade würde bedeuten, dass Kabelkunden in den meisten Bundesländern - bis auf Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg - samstags kein Fußball mehr hätten. Sie müssten auf Satelliten-TV umsteigen.

Zwar kann Arena nach eigenen Angaben 16 Millionen Satelliten-Haushalte, fünf Millionen Kabelhaushalte sowie noch mal zwei Millionen Einheiten versorgen und liegt somit - angesichts von rund 34 Millionen deutschen TV-Haushalten - weit über der von der DFL geforderten Norm von 40 Prozent Abdeckung. Doch die KDG hätten die Fußball-Manager gerne mit dabei.

Aus DFL-Kreisen ist zu hören, dass Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer vor drei Wochen eine konkrete Offerte gemacht habe, die ohne Antwort blieb. Sie sah, im Rahmen eines "Wiederverkäufervertrags", bei der Bezahlung eine Minimumgarantie sowie eine flexible Komponente für gute Vermarktung vor. Das KDG-Management habe erklärt, man sei gebeten worden, kein konkretes Gegenangebot vorzulegen. Ein Sprecher von KDG erklärt hierzu, man wolle sich "nicht um jeden Preis einigen". In der Vergangenheit habe man "prima gelebt mit Premiere" - auch künftig wolle KDG keine Verluste mit Fußball machen.

Haupt-Drahtzieher bei KDG ist der Branchenprofi Tony Ball, der einst für den Medientycoon Rupert Murdoch das britische Satellitenfernsehen BSkyB in Schwung brachte. Sein Hauptinstrument: erstklassige Fußball-TV-Rechte. In München, bei der KDG, ist er offiziell Chairman of the Advisory Board, also Chefberater - in Wahrheit dürfte sein Einfluss erheblich größer sein. Gut versteht er sich mit Georg Kofler, dem Vorstandschef von Premiere. Will Ball durch langes Taktieren mehr aus Arena herausholen - womöglich für Premiere? "Es gibt niemanden, der bremst", so ein KDG-Sprecher.

Sicher ist, dass Kofler nach dem Verlust der DFL-Rechte rasch auf Rache sann. Zunächst flirtete er mit der Telekom, die für 50 Millionen Euro im Jahr die Bundesliga-Rechte für Internet-Fernsehen (IP-TV) erworben hat. Doch der Versuch, die Bilder aus den Stadien nicht nur über neue Glasfaser-Netze (V-DSL), sondern auch über Kabel und Satellit groß in die Haushalte zu bringen, scheiterte. Die Telekom wollte, nach Debatten über ihre Macht, nicht mehr. Es blieb eine kleine Partnerschaft, die nun gefährdet ist. Denn die KDG fördert - genau wie die Telekom oder Unity Media - ein Produkt, das als Schlüssel zur künftigen Mediengesellschaft gilt: das triple play, das gemeinsame Vermarkten von digitalem Fernsehen, Telefondiensten und schnellen Internet-Zugängen.

Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass es zu einer engen unternehmensrechtlichen Liaison zwischen KDG und Premiere kommen könnte - zu einer Fusion auf Raten. Auch ein secondary offering, ein erweiterter Börsengang rund um Premiere, wird für möglich gehalten. Eine Übernahme oder Fusion freilich ist kartellrechtlich schwierig. Beide Firmen erklären, es gebe derzeit keine derartigen Pläne.

Indizien für die größere Nähe sind die verabredete Vermarktung der HDTV-Kanäle von Premiere sowie von Filmen auf Abruf (Video-on-Demand) durch KDG. Derzeit wird eine engere Vermarktung der neuen Premiere-Programmpakete lebhaft diskutiert. "Wir pflegen", erklärt Premiere-Chef Georg Kofler so schön, "ein konstruktives Verhältnis miteinander". HANS-JÜRGEN JAKOBS


Quelle: http://www.sueddeutsche.de
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