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Analoges Kabelfernsehen ...

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Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon FBI01 » 04.05.2012, 22:20

Auf der Wikipediaseite http://de.wikipedia.org/wiki/Kabelfernsehen ist unter dem Punkt "Geschichte" zu lesen:

Hier gibt es offenbar widersprüchliche Informationen. Aus Recherchen über Kabel Deutschland ging Folgendes hervor:
Anlässlich der Eurobau soll 1978 in Altenholz (bei Kiel) die erste Kopfstelle in Betrieb gegangen sein. Die erste Satellitenempfangsanlage (SEE) soll 1983 auf dem Kieler Fernsehturm aufgebaut worden und in Betrieb gegangen sein.


Das kann ich bestätigen! Zu diesem Testbetrieb wurde bereits 1982 von der damaligen Deutschen Bundespost gezielt über eine große Wohnungsbaugesellschaft eine möglichst große Zahl an Testhaushalten gesucht und gefunden. Die Eigentümer der Wohnhäuser - in einem zusammenhängenden Gebiet in Kiel - entschieden für hunderter Haushalte die damals üblichen Gemeinschaftsantennen für TV und Radio abzubauen und eine zentrale Einspeisung in die vorhandenen in Reihe geschalteten Kabel vorzunehmen. Hierzu wurden oft direkt unter dem Dach der Wohnhäuser neue Verstärkeranlagen gesetzt und das Kabel "aus dem Keller" zunächst ganz nach oben hin verlegt - von dort aus wieder in die Haushalte "nach unten" verteilt. Dieses Angebot beinhaltete eine 10jährige kostenlose Versorgung. Danach wurden die Kosten meist über die Miete umgelegt. (Seit wenigen Jahren wurden diese Haushalte sternförmig neu an einen zentralen Punkt am Übergabepunkt im Keller neu angebunden.)

Zum Programmstart in Kiel wurden diese Programme angeboten: ARD, ZDF, N3 (NDR), DDR1, DDR2, DK1, TV2. Die Programme aus der ehemaligen DDR und die aus Dänermark wurden auf dem Kieler Fernmeldeturm empfangen. Die DDR-Programme direkt in SECAM eingespeist. Zusätzlich wurden viele Radioprogramme in sehr guter Qualität angeboten. Zum Start der ersten Sat-Sender wie 3Sat und 1plus kamen dann Sat1 und RTLplus ab Sendestart hinzu.

Die Geschichte zeigt uns: neue Technologien gingen nicht immer nur kurzfristig mit dem Ziel einer maximalen Wertschöpfung einher. Keiner hätte Anfang der 80ger Jahre verstanden, dass man für z.B. dänisches Fernsehen etwas extra bezhalen müsste - obwohl der Empfang weder per Sat noch per eigener Antenne in Kiel möglich gewesen wäre (abgesehen von ausgewählten DX-Fans). Zusätzlich war das Angebot des DDR-Fernsehens mit Raritäten wie dem "Schwarzen Kanal" sicher bewerkenswert - aber es war einfach da, weil die Technik begeisterte. Neben der Forderung mindestens alle "empfangbaren" Programme auch im Kabel abzubilden wurde das Angebot beachtlich erweitert.

Daher wundert es heute um so mehr, dass man sich bei den Kabelnetzbetreibern, die ein sagenhaftes Transportmedium nutzen können, von alle Beteiligten um den gleichzeitigen Start von HD-Programmen unglaublich in den Verzug einer eindruckvollen Demonstration vohandener Technik bringen läßt.
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon Moses » 04.05.2012, 23:40

Danke für die interessante Geschichte. :)

FBI01 hat geschrieben:Daher wundert es heute um so mehr, dass man sich bei den Kabelnetzbetreibern, die ein sagenhaftes Transportmedium nutzen können, von alle Beteiligten um den gleichzeitigen Start von HD-Programmen unglaublich in den Verzug einer eindruckvollen Demonstration vohandener Technik bringen läßt.


Dein Fazit zeigt aber, wo dein Verständnisproblem liegt... du lebst immer noch in den Zeiten der Bundepost. Die sind vorbei. Das ist politisch gewollt. Da hätte man bei den Wahlen mal besser aufpassen sollen und das Kreuzchen anders machen müssen (Tipp: nicht gelb oder schwarz ;)). Ich durfte da noch nicht wählen und hätte wahrscheinlich auch nicht wirklich begriffen worum es geht. Heute sind das keine Behörden mehr, die Millionen an Steuergeldern hinterher geschmissen bekommen, sondern Unternehmen, die Gewinn erwirtschaften müssen. Das heißt ganz automatisch, dass Investitionen neue Einnahmen generieren müssen. Das ist die neoliberale Welt, die man sich in den 70er und 80er so sehr gewünscht hat und dann halt tatsächlich Anfang der 90er umsetzen für Telefon, Post und Kabelnetze umsetzen konnte.

Es gibt aber auch Vorteile... z.B. können Entwicklungen auch schneller gehen. Viel schneller als bei Behörden. Ganz sicher wären die Kabelnetze (und auch die Telefonnetze) mit den Internetangeboten noch lange nicht so weit, wenn es sich heute noch um Behörden handeln würde. Da müsste jedes halbe MB mehr an Geschwindigkeit Jahrelange Testphasen durchlaufen... ;) Aber Breitband-Internetanschlüsse ist eben (noch immer) ein Wachstumsmarkt, mit dem sich Geld verdienen lässt. Der TV Markt ist "gesättigt", wie es so schön heißt. Einen TV Anschluss hat heutzutage (so gut wie) jeder. Den Anschluss wechseln die wenigsten... und wenn dann meistens um Kosten zu sparen. Da ist offensichtlich, dass sich damit nicht viel Geld verdienen lässt. Nur kostenpflichtige Zusatzangebote (tada ;)) sind da noch attraktiv.

Da hilft alles Gejammer nicht und auch keine Schuldzuweisungen... damit muss man jetzt leben. Man sollte aber einmal darüber nachdenken, was das denn jetzt genau heißt, wenn mal wieder von irgendeinem ein "schlanker Staat" gefordert wird. Infrastruktur von privat Unternehmen organisieren zu lassen heißt eben, dass sich am Ende alles ums Geld dreht. Lustigerweise sind hier gerade die Breitband-Internetanschlüsse ein gutes abschreckendes Beispiel... die weißen Flecken beim Breitbandinternet sind die Stellen, wo es sich nicht lohnt schnelle Internet-Anschlüsse zu realisieren, weil die Kosten für zu wenige potentielle Kunden zu hoch sind. Die Unternehmen konnten nur mit Tricks und Zwang (Auflagen bei der Versteigerung von LTE Lizenzen) dazu gebracht werden das Problem überhaupt mal anzugehen... Es gibt immer noch Landstriche in denen ein Breitband-Internetzugang heute unmöglich zu bekommen ist und wo das noch ein paar Jahre so bleiben wird (womit Internet unglaublich lahm und gleichzeitig teuer wird). Für ein fortschrittliches Land, wie es Deutschland eigentlich sein will, ist das ein Armutszeugnis. Mit einer Bundespost gäbe es die weißen Flecken sicherlich so nicht. Aber ganz sicher auch nicht den Geschwindigkeitswettbewerb zwischen DOCSIS und (V)DSL.
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon FBI01 » 07.05.2012, 14:36

Moses hat geschrieben:(...)Dein Fazit zeigt aber, wo dein Verständnisproblem liegt...

Ich habe da sicher kein Verständnisproblem. Ich arbeite so nah am Medium "Kabel", so dass ich sicher einen ganz guten Überblick habe. Aber für vielen Andere war Deine Antwort sicher eine Aufforderung auch Stellung zu nehmen ...
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon webman » 07.05.2012, 14:50

Moses hat geschrieben:Danke für die interessante Geschichte. :)

Dein Fazit zeigt aber, wo dein Verständnisproblem liegt... du lebst immer noch in den Zeiten der Bundepost. Die sind vorbei. Das ist politisch gewollt. Da hätte man bei den Wahlen mal besser aufpassen sollen und das Kreuzchen anders machen müssen (Tipp: nicht gelb oder schwarz ;)).


Moses hat geschrieben:Es gibt aber auch Vorteile... z.B. können Entwicklungen auch schneller gehen. Viel schneller als bei Behörden. Ganz sicher wären die Kabelnetze (und auch die Telefonnetze) mit den Internetangeboten noch lange nicht so weit, wenn es sich heute noch um Behörden handeln würde. Da müsste jedes halbe MB mehr an Geschwindigkeit Jahrelange Testphasen durchlaufen... ;) .


Also ich bin sehr froh über die Liberalisierung des TK-Marktes seit den 80er Jahren. Die damalige DBP hätte das Internet bewusst ignoriert und lieber weiter auf das pixelige BTX gesetzt. Jüngere Foren-Leser werden diese Technik nicht mehr kennen ...
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon FBI01 » 07.05.2012, 19:52

webman hat geschrieben:(...)Also ich bin sehr froh über die Liberalisierung des TK-Marktes seit den 80er Jahren. Die damalige DBP hätte das Internet bewusst ignoriert und lieber weiter auf das pixelige BTX gesetzt. Jüngere Foren-Leser werden diese Technik nicht mehr kennen ...

Die DBP ist ja quasi in die Telekom AG übergegangen. Der Verkauf der Kabelnetze war eine politsiche Entscheidung, bei der man sich erstmal die Taschen gefüllt hat. Das ganze Geld wurde quasi in der "Telekomaktie" versenkt. Es nützt ja nichts den "Jüngere Foren-Leser" immer vorzugaukeln, dass die heutigen Verhältnisse einen instabilen Zustand abglöst haben. Sicher ist das der Preis für eine in diesem Bereich befreite Marktwirtschaft, aber gezahlt habe wir das alles bereits in den 80gern. Die "Jüngere Foren-Leser" sollten sich u.a. mal mit dem bei Bankern und Börsenfuzzis bekanntem Gute-Nacht-Spruch "Hin-und-her-Taschen-Leer" vertraut machen.

An einer Markteinführung des Internets über das "Kabelfernsehen" oder den "Glasfaseranschluss" wurde bereits zur Einführung in den 80gern bei der "Budespost" nachgedacht. Wenn man den Markt in Nord- und Südamerika betrachtet, dann sind dort die notwendigen Technologien mit einem jahrelangen Vorsprung erprobt und im Alltag angekommen. Bereits im Jahr 2000 war es in Chile, Satiango ganz normal über den Kabelanschluss ins Internet zu gehen. So innovativ können die Kabelnetbetreiber in Deutschland ja nicht gewesen sein - jedenfalls wurde dort immer nachgezogen, wenn die Telekom eine neue Technologie ausserhalb des Kabels etabliert hatte.

Keinesfalls bin ich gegen die Entwicklung einer sinnvollen Nutzung der Kabelnetze in Deutschland und ich halte das Transportmedium auch für äußerts sinnvoll eingesetzt für Daten als IP oder DVB - ich halte nur nichts von der Form der Vermarktung und gehe davon aus, dass die Kabelnetzbetreiber den Kram wie eine heisse Kartoffel fallen lassen oder sich irgendwann von unseren Steuergeldern "retten lassen" wenn sie den Laden mit dem ganzen "Overheadkrempel" an die Wand gefahren haben. Dann wird ein Politiker den ausgebauteten Kabelkunden eine Rettung versprechen, damit es im Kabelnetz nicht dunkel wird ... alles nur eine Frage der Zeit.
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon webman » 07.05.2012, 20:19

FBI01 hat geschrieben:
webman hat geschrieben:(...)Also ich bin sehr froh über die Liberalisierung des TK-Marktes seit den 80er Jahren. Die damalige DBP hätte das Internet bewusst ignoriert und lieber weiter auf das pixelige BTX gesetzt. Jüngere Foren-Leser werden diese Technik nicht mehr kennen ...

Die DBP ist ja quasi in die Telekom AG übergegangen. Der Verkauf der Kabelnetze war eine politsiche Entscheidung, bei der man sich erstmal die Taschen gefüllt hat. Das ganze Geld wurde quasi in der "Telekomaktie" versenkt. Es nützt ja nichts den "Jüngere Foren-Leser" immer vorzugaukeln, dass die heutigen Verhältnisse einen instabilen Zustand abglöst haben. Sicher ist das der Preis für eine in diesem Bereich befreite Marktwirtschaft, aber gezahlt habe wir das alles bereits in den 80gern. Die "Jüngere Foren-Leser" sollten sich u.a. mal mit dem bei Bankern und Börsenfuzzis bekanntem Gute-Nacht-Spruch "Hin-und-her-Taschen-Leer" vertraut machen.

An einer Markteinführung des Internets über das "Kabelfernsehen" oder den "Glasfaseranschluss" wurde bereits zur Einführung in den 80gern bei der "Budespost" nachgedacht. Wenn man den Markt in Nord- und Südamerika betrachtet, dann sind dort die notwendigen Technologien mit einem jahrelangen Vorsprung erprobt und im Alltag angekommen. Bereits im Jahr 2000 war es in Chile, Satiango ganz normal über den Kabelanschluss ins Internet zu gehen. So innovativ können die Kabelnetbetreiber in Deutschland ja nicht gewesen sein - jedenfalls wurde dort immer nachgezogen, wenn die Telekom eine neue Technologie ausserhalb des Kabels etabliert hatte.

Keinesfalls bin ich gegen die Entwicklung einer sinnvollen Nutzung der Kabelnetze in Deutschland und ich halte das Transportmedium auch für äußerts sinnvoll eingesetzt für Daten als IP oder DVB - ich halte nur nichts von der Form der Vermarktung und gehe davon aus, dass die Kabelnetzbetreiber den Kram wie eine heisse Kartoffel fallen lassen oder sich irgendwann von unseren Steuergeldern "retten lassen" wenn sie den Laden mit dem ganzen "Overheadkrempel" an die Wand gefahren haben. Dann wird ein Politiker den ausgebauteten Kabelkunden eine Rettung versprechen, damit es im Kabelnetz nicht dunkel wird ... alles nur eine Frage der Zeit.


Die DBP hat sich vor allem mit überhöhten Preisen für Ihre Dienstleistungen die Taschen voll gemacht - und damit auch den Staatssäckel - die Gewinne mussten an den Bund als Eigentümer abgeführt werden.
Die Telekom-Aktie hat auch den Staatssäckel bereichert, da mit dem Börsengang Anteile an dem ehem. Staatsunternehmen verkauft wurden. Ich glaube derzeit sind noch ca. 40% aller ausgegebenen Aktien im Besitz von Merkel & Co. Auf die nächste Dividendenausschüttung wird sich bestimmt schon im Finanzministerium gefreut.

Warum sollten die Kabelnetzbetreiber Schiffbruch erleiden, solange die Kabelnetze nicht von den Telcos aufgekauft werden? Mit IP-TV wurde den Kabelnetzbetreibern doch auch schon ein langsames Sterben von einigen vorausgesagt, aber die Konkurrenz belebte das Geschäft und nun wird auch Unitymedia im TV-Geschäft flexibler. ;)
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Re: Analoges Kabelfernsehen ...

Beitragvon FBI01 » 08.05.2012, 10:45

webman hat geschrieben:(...)Die DBP hat sich vor allem mit überhöhten Preisen für Ihre Dienstleistungen die Taschen voll gemacht - und damit auch den Staatssäckel - die Gewinne mussten an den Bund als Eigentümer abgeführt werden.

Diese Behauptung lasse ich nicht gelten. Gab es jemals eine vollständige betriebwirtschaftliche Betrachtung der Kosten für die Erreichtung der gesamten Infrastruktur nach 1945 und einem anzunehmenden Braek-Even-Point durch die Zahlung von reinen Gebühren für die Leitungsnutzung bis zum Ende der Erhebung durch die DBP. Ich denke, da kann keine Mini-Bilanz von den heutigen Durchleitungs-Kabelnetzbetreibern mithalten ...
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