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Et hätt noch immer jot jejange

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Et hätt noch immer jot jejange

Beitragvon mischobo » 29.11.2006, 15:00

"Et hätt noch immer jot jejange"

Seit drei Jahren leitet der Brite Parm Sandhu das NRW-Kabelunternehmen.

Hennes der VII. wollte partout nicht auf der vorsichtshalber ausgelegten Plastikplane ausharren. So sorgte das Maskottchen des 1. FC Köln auf dem neuen Teppichboden für eine Pfütze - und damit für echt kölschen „Stallgeruch“ im neuen Firmensitz der Unity Media. Das lockerte die Stimmung bei der Schlüsselübergabe spürbar. In unmittelbarer Nachbarschaft des Rhein-Energie-Stadions, in den bisher von der Sparkasse KölnBonn genutzten Hubertushof an der Aachener Straße, ziehen in dieser Woche 260 Mitarbeiter des Medienunternehmens ein.

Anlässlich der Schlüsselübergabe am Montagabend wünschten Claus Horstmann, der Geschäftsführer des 1. FC Köln, sowie Oberbürgermeister Fritz Schramma dem Unity-Media-Geschäftsführer Parm Sandhu für die Zukunft alles Gute. Der bedankte sich in beachtlich akzentfreiem Deutsch. Dafür hatte der Brite am Wochenende geübt und seinen Deutsch-Kurs beim Goethe-Institut aufgefrischt. Der liegt schon einige Jahre zurück, und der Cambridge-Absolvent bekennt lachend, dass der Kurs zweifellos das Schwierigste war, was er in seiner beruflichen Karriere zu bewältigen hatte - und das will etwas heißen.

Der Mann der Zahlen

Parm Sandhu ist seit drei Jahren Geschäftsführer der Unity Media, der Muttergesellschaft der Kabelunternehmen ish (NRW) und iesy (Hessen) und deren gemeinsamer Pay-TV-Tochter „Arena“. Den 37-jährigen Wirtschaftsprüfer auf das spröde Etikett „Mann der Zahlen“ festzulegen greift zu kurz, immerhin verantwortet er die gesamte Unternehmens- und Programmstrategie des Telekommunikationsunternehmens, das rund 5,1 Millionen Kabelkunden vor allem mit Fernsehen versorgt.

Im Dezember 2005 wurde der „Nobody“ über Nacht zum smarten „Somebody“, als „Arena“ den Zuschlag für die Pay-TV-Rechte an der Fußballbundesliga erhielt. Die Botschaft schlug bei Unity wie eine Bombe ein, bei manchen überwog der Schock die Freude. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erinnert sich Sandhu an den 22. Dezember: „Wir hatten ein anstrengendes Geschäftsjahr hinter uns, und ich hatte viele Mitarbeiter in die wohlverdienten Weihnachtsferien verabschiedet. Ich habe dann über die Feiertage sehr viel telefoniert.“

Seitdem beobachtet die Konkurrenz, wie sich das in Windeseile zusammengestellte „Arena“-Team schlägt, auf dem Sender und in den Büchern. Druck lässt sich ein Manager wie Sandhu nicht anmerken, auch nicht an einem Tag, an dem er die Quartalsabschlüsse kommentieren muss. So am Donnerstag der vergangenen Woche. Keine rosigen Zahlen. Da sind vor allem Verluste bei Arena, hohe Abschreibungen für die übernommenen ish-Netze, gestiegene Werbe- und Vertriebskosten, Zinszahlungen für die rund 2,6 Milliarden Euro Schulden der Unity Media. Für 2006 rechnet Sandhu mit 140 Millionen Euro Verlust allein bei Arena. Das scheint ihn keineswegs zu beunruhigen. Zum Jahresende will er eine Million Arena-Abonnementen haben - 2,5 Millionen braucht er, um keine Verluste zu machen.

Parm Sandhus Eltern kamen aus dem Nordwesten Indiens, aus dem Panjab nach England. Sie gehören der Religionsgemeinschaft der Sikhs an. „Tolerante Menschen“, sagt Sandhu, „die Sikhs kennen kein Kastensystem, es gibt keine Standeshierarchien. Und die Sikhs sind als fleißige Leute geschätzt.“ Er selbst sei kein gläubiger Sikh, sagt Sandhu. „Ich bin absolut britisch sozialisiert.“ Als fleißig gilt Sandhu allemal. Mit dem Wagen kommt er von Bad Godesberg herüber, wo die Familie wohnt und die beiden Töchter eine Internationale Schule besuchen. Der Wagen stehe morgens als erster und abends als letzter auf dem Parkplatz, erzählen Mitarbeiter anerkennend. Ihr Chef hat ein gewaltiges Pensum abzuarbeiten. Immerhin wurde der Brite von den Unity-Eignern, einem Zusammenschluss von global agierenden Investmentgesellschaften, nach Köln bestellt - und die hegen hohe Renditeerwartungen. Zumindest kurzfristig sind die nicht zu befriedigen.

Fehlendes Grundvertrauen

Und da ist die Düsseldorfer Landesmedienanstalt (LfM), die Sandhu dieser Tage aufforderte, ein Konzept für die zukünftige Kabelbelegung vorzustellen. Die LfM möchte sichergehen, dass Kabelplätze auch in Zukunft unter Vielfaltsgesichtspunkten belegt werden und freiwerdende Kanäle nicht einfach an meistbietende Kunden vergeben werden. „Es geht uns um die Spielregeln, und da fehlt uns noch ein gewisses Grundvertrauen“, erklärt der stellvertretende LfM-Direktor Jürgen Brautmeier.

Arena ist zwar nur eine Firma, um die sich Sandhu kümmern muss - aber ein Zugpferd. Die Bundesligarechte werden bereits wieder ausgeschrieben. Arena will die Rechte halten - Marktbeobachter meinen: Arena muss die Rechte behalten, sonst gerät das ohnehin schleppende Digitalgeschäft ins Schlingern. Auch für die Pay-TV-Rechte an der „Formel 1“ interessiert sich Sandhu - noch liegen die bei Premiere. Das alles wird Geld kosten.

Eine andere Sorge gilt dem ish-Kundenservice. Insbesondere in Köln kam es bei der Modernisierung des Kabels zu ärgerlichen Ausfällen. Das soll nicht wieder vorkommen. Das Unternehmen werde in den kommenden Monaten neue Mitarbeiter einstellen, auch für den Kundenservice. „Mit viel harter Arbeit und Humor wollen wir in Köln und für Köln wachsen“, erklärte Sandhu bei der Schlüsselübergabe am Montag. Fritz Schramma überreichte als Einzugsgeschenk eine Statue der römischen Glücksgöttin Fortuna - und Sandhu bedankte sich auf Kölsch „Et hätt noch immer jot jejange“. Das werden auch die Investoren gerne hören.


Quelle: Kölner Stadtanzeiger
mischobo
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Beitragvon websurfer83 » 29.11.2006, 17:36

Vielen Dank für den tollen Bericht. :smt001

Viele Grüße
Gunther.
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