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Routerzwang aufgehoben?

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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon Stiff » 23.12.2015, 02:39

MartinDJR hat geschrieben: Der Provider ist derjenige, der bestimmt, wie die Zugangsdaten aussehen und wie ein Modem/Router gebaut sein muss, damit er am Netz des Providers funktioniert.
Wenn ich als Provider wirklich meine Kunden verärgern wollte, würde ich in die "Schnittstellenbeschreibung" (nach §5 FTEG) reinschreiben, dass die MAC-Adresse vom Provider vorgegeben wird und nur die zwei anderen Zahlen vom Modem abzulesen sind.



http://www.bmwi.de/DE/Themen/Digitale-W ... rwahl.html
Anbieter von Telekommunikationsdiensten dürfen ihren Kunden auch weiterhin ein Endgerät (Router/Modem) anbieten oder zur Verfügung stellen. Die Verbraucher erhalten durch den Gesetzentwurf allerdings eine Wahlfreiheit: Telekommunikationsanbieter dürfen ihre Kunden künftig nicht mehr zwingen, ein bestimmtes Endgerät zu verwenden.
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon MartinDJR » 23.12.2015, 09:29

Stiff hat geschrieben:Anbieter von Telekommunikationsdiensten dürfen ihren Kunden auch weiterhin ein Endgerät (Router/Modem) anbieten oder zur Verfügung stellen. Die Verbraucher erhalten durch den Gesetzentwurf allerdings eine Wahlfreiheit: Telekommunikationsanbieter dürfen ihre Kunden künftig nicht mehr zwingen, ein bestimmtes Endgerät zu verwenden.

Das Gesetz besagt an keiner Stelle, dass du ein Recht darauf hast, dass jedes beliebige Gerät an jedem Anschluss angeschlossen werden kann. Andernfalls müssten auch DSL-Modems an einer Multimediadose betrieben werden können und Kabelmodems an einem analogen Telefonanschluss.

Es ist ausreichend, wenn jeder Hersteller die Möglichkeit hat, ein kompatibles Gerät zu bauen.

Und jeder Hersteller von Kabelmodems hat das Recht und die Möglichkeit, ein Modem zu bauen, bei dem man die MAC-Adresse einstellen kann. Somit ist kein Kunde "gezwungen, ein bestimmtes Endgerät zu verwenden", wenn der Provider sein Netz so auslegt, dass es nur mit Modems mit einstellbarer MAC-Adresse funktioniert (indem er eine MAC-Adresse vorgibt).

Bei der MAC-Adresse könnte ein Richter die Sache noch anders sehen: Er wird den Provider fragen, warum er denn vor dem Ende des Routerzwangs die MAC-Adresse von jedem Modem abgelesen hat und nach dem Ende des Routerzwangs eine MAC-Adresse vorgibt. Wenn der Provider daraufhin behauptet, das hätte Kostengründe, wird das Gerichtsverfahren vielleicht so ausgehen, dass der Provider die tatsächlich anfallenden Kosten für die Provisionierung von Modems ohne einstellbare MAC-Adresse in Rechnung stellen darf: Das sind vielleicht 10 Euro für die Arbeitszeit eines Hotline-Mitarbeiters.

Was notwendige Firmware-Patches angeht, sieht die Sache ganz anders aus:

Ein halbwegs sinnvoller Grund für einen Firmware-Patch (ich weiß nicht, ob dies z.Z. bei einem Provider der Fall ist) wäre, in den 4in6-Paketen (DS-Lite) zusätzliche Informationen hineinzucodieren, dass man sich beim AFTR Speicher spart und stattdessen freien Speicher auf den Routern beim Kunden ausnutzt.

Durch eine Umstellung auf einen nicht-hauseigenen Standard müsste der Provider den Speicher in seinen AFTRs aufrüsten oder sogar neue AFTRs kaufen: Das kostet den Provider richtig viel Geld. Der Richter könnte natürlich auch sagen, dass der Provider die Kosten auf den Kunden umlegen darf. Nehmen wir an, 10 Kunden bestehen auf einen "Router von der Stange"; dadurch muss der Provider einen neuen Router für 10.000 Euro kaufen: Macht 1000 Euro pro Kunde...

Wenn der Provider so etwas bereits vor 2015 gemacht hat, kann man auch nicht behaupten, der Provider würde das nur machen, um "Fremdmodems" nicht ans eigene Netz zu lassen: Wenn das der Grund wäre, hätte er diese Technologie vor 2015 nicht angewendet!
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon manu26 » 23.12.2015, 09:56

Das ist doch Unfug. Ja, der Provider kann sich jeden möglichen Quatsch ausdenken, um sich da irgendwie rauszuwinden. Das wird aber nicht helfen. Aus dem Kontext des Gesetzes geht hervor, dass die jeweils für einen Anschluss geeigneten Geräte gemeint sind. Und da gibt es nunmal Standards. Gerätewahl heißt nicht, dass ich meinen alten Akustikkoppler an die die Leitung klemmen und dann Kompatibilität verlangen kann.
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon Joerg » 23.12.2015, 10:19

manu26 hat geschrieben:Und da gibt es nunmal Standards.

Die obigen Szenarien sind natürlich grotesk überzogen und werden so sicher nicht eintreten. Andererseits zwingt das Gesetz zur freien Endgerätewahl die Anbieter aber tatsächlich nicht, bestimmte Standards einzuhalten. So könnte im Prinzip jeder Anbieter auf seinen Leitungen machen was er will (und das dann als "seinen" Standard definieren), solange er die technischen Daten nur hinreichend offenlegt um beliebiegen Herstellen die Entwicklung und Herstellung passender Endgeräte zu ermöglichen.

Man sollte immer beachten, dass dieses Gesetz nie die Interessen des Verbrauchers im Auge hatte, sondern auf Betreiben der Herstellerlobby durchgesetzt wurde - und deren Interessen sind nicht unbedingt deckungsgleich mit denen der Kunden.

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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon hajodele » 23.12.2015, 10:59

Ich gehe mal davon aus, dass es bisher die Docsis-Standards verwendet wurden.
Ein Provider kann weder aus Zeit- noch aus Kosten-Gründen einen eigenen Standard einführen.

Insbesondere bei den Kabel-Providern hängt am Modem auch die gebuchte Geschwindigkeit.
Es ist für mich schwer zu glauben, dass es im Standard eine Möglichkeit gibt, diese Daten zu manipulieren. Die freie Modemwahl wird ja schon seit Jahren weltweit bei Kabel-Providern praktiziert (Übrigens auch bei einigen kleinen Providern in Deutschland).

Zudem gibt es nur sehr wenige Flecken, bei denen man mehr oder weniger auf Kabel angewiesen ist.
Warum sollte also ein Kabel-Provider sehr viel Geld in die Hand nehmen um damit letztendlich Kunden zu verlieren?

Gerade bei UM ist es ja schon krotesk, dass alle von UM verwendeten Geräte im Ausland mehr können als in Deutschland.
So was wird übrigens nicht durch eigene Firmware sondern nur durch entsprechende Parameter realisiert.
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon mauszilla » 23.12.2015, 11:11

Joerg hat geschrieben:Man sollte immer beachten, dass dieses Gesetz nie die Interessen des Verbrauchers im Auge hatte, sondern auf Betreiben der Herstellerlobby durchgesetzt wurde - und deren Interessen sind nicht unbedingt deckungsgleich mit denen der Kunden.

Jörg


In unserem Fall schon.
Kunde Will selbst entscheiden welches Gerät er nutzen will.
Hersteller wollen Geräte verkaufen dürfen ohne auf die Gnade der Netzbetreiber angewiesen zu sein.

Das Die Kabelnetzbetreiber jeder seinen Netzstandart so verwurschtelt, das frei Router keine Chance hätten.... denkt mal genauer drüber nach, wo die Geräte der Netzbetreiber herkommen.
Wenn die so einen blödsin treiben würden, fänden sie fast keinen Anbieter mehr, der für sie den Schrott zusammenschraubt.

Wie Autorisiert sich denn ein Handy?
Es hat eine IMEI und zusammen mit Kundenkennung und Passwort kann es sich in jeden Mast des Providers einlocken. Genauso könnte es mit den Kabelmodems funktionieren.
Man gibt Zugangsdaten in sein Modem ein und damit darf es sich ins Netz einwählen.
Über diese Schiene könnte auch das passende Konfigfile beim ersten einwählen übertragen werden.
Hier könnte man z.B. ansetzten mit dem Netzstandard, das alle Kompatiblen Geräte mit dem selben Konfigfile funktionieren müssen, damit UM nicht für jedes Modem ein eigenes schreiben muss.
Alternativ könnte man die Konfig auch auf eine Simkarte packen mit den Zugangsdaten, die dann einfach in das Modem eingeschoben wird. Wie beim Pay-TV.
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon manu26 » 23.12.2015, 11:14

Oder man macht es so wie im Ausland, wo es bereits heute reibungslos funktioniert.
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon Joerg » 23.12.2015, 11:31

mauszilla hat geschrieben:Kunde Will selbst entscheiden welches Gerät er nutzen will.
Hersteller wollen Geräte verkaufen dürfen ohne auf die Gnade der Netzbetreiber angewiesen zu sein.

Soweit richtig. Darüber hinaus hätte Joe Kunde aber am liebsten möglichst einen Standard, den alle Netzbetreiber nutzen und der so lange wie möglich bestehen bleibt. Auf die Weise muss er sich einmal ein Endgerät kaufen, dass dann für sehr, sehr lange Zeit nutzbar ist und idealerweise auch beim Anbieterwechsel nicht getauscht werden muss.

Genau das ist aber nicht im Interesse der Hersteller - die wünschen sich Standards, die sich - am Besten inkompatibel - weiterentwickeln und den Kunden so zwingen, sich alle paar Jahre ein neues Endgerät zu kaufen. Schließlich will man ja Umsatz machen, oder? Bislang war das absolut nicht im Interesse der Netzbetreiber, da sie die Endgeräte gestellt haben und somit Mehrkosten sowohl bei der Infrastruktur als auch beim CPE gehabt hätten; da aber die Hersteller der Endgeräte (wie z.B. Cisco) i.d.R. auch Infrastrukturkomponenten anbieten, könnten sie den Netzbetreibern dort z.B. zur Beförderung des Umstiegs auf neue Technik (und somit zur Ankurbelung des Modemverkaufs) ggfs großzügige Rabatte einräumen. Und das ist nur eine der Alptraumvorstellungen, die sich aus diesem Szenario ergeben...

Somit gibt es zwar eine nicht-leere Schnittmenge zwischen den Interessen der Hersteller und denen der Kunden - identisch sind sie hingegen sicher nicht.

Und nein, ich denke nicht, das UM vom DOCSIS-Standard abeweichen wird; das macht betriebswirtschaftlich für LGI keinen Sinn. Das Gesetz würde sie aber nicht daran hindern, wenn sie es wollten.

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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon mauszilla » 23.12.2015, 12:04

Hast nicht ganz unrecht, und doch auch wieder nicht.
Der Markt funktioniert eben nicht immer so wie es der Hersteller will. Solange sich an der Grundvoraussetzung nichts ändert (höhere Geschwindigkeit, neue Features usw) will der Kunde vielleicht kein Neues Gerät.
Andererseits wird er keins Kaufen, das nur bei Provider A, nicht jedoch bei Provider B läuft. Somit haben die Hersteller mehr Umsatz, je kompatibler sie zu allen sind.
Zum anderen dürfte es extrem teuer sein für die Provider, wenn jeder sein eigene Docsis erstellen wollte. UM-Docsis, KabelD-Docsis etcpp.
Und die müssten ja noch kompatible zu den Schnittstellen der anderen Netzte sein....
Da hab ich nicht wirklich Angst, das auch nur einer so einen Blödsinn anfängt für Milliarden von Euro. Die beleiben schön bei Euro-Docsis und sparen sogar die Weiterentwicklung auf 4.0, 5.0 und was da alles noch kommt.

So wird die Schnittmenge wieder deutlich größer ;)
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Re: Routerzwang aufgehoben?

Beitragvon hajodele » 23.12.2015, 12:20

Spätestens, wenn die Zwangs-Provider so was nur in Erwägung ziehen, kommt eine Durchführungsverordnung die das verbietet.
Weder die EU, noch der Gesetzgeber oder die Bundesnetzagentur lassen sich gerne verarschen.
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