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Kabel-Internet im Visier von Bundesnetzagentur (04.05.2012)

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Re: Kabel-Internet im Visier von Bundesnetzagentur (04.05.20

Beitragvon HNIKAR » 09.06.2012, 19:25

Invisible hat geschrieben:Warum wollen denn alle FN-Anbieter ins Kabel? Weil sie nichts in die Infrastruktur investieren wollen.


Das ist nur bedingt korrekt. Ich schrieb ja schon, dass Sie ins Kabel wollen, um ein Stück vom Bandbreitenkuchen der KNB abzubekommen.
Der Grund ist hier selbstverständlich die Kostenersparnis ggü. Direktinvestitionen. Außer der Telekom betreibt - de facto - kein weiterer Anbieter soetwas wie einen Netzausbau.
Das Gegenteil ist der Fall - alle Konzerne betreiben vielmehr einen Netzabbau und setzen vermehrt auf qualitativ minderwertiges NGN.
Man muss sich allerdings mit der Frage nach den Ursachen befassen. Warum der VDSL-/FTTH-Ausbau der Telekom heute so schleppend passiert ist doch glasklar.
Jedes Netz dass die Telekom aufbaut, fällt derzeit der ex-post-Regulierung der BNetzA anheim, d. h. früher oder später wird es für ausbautechnisch stinkfaule Anbieter
wie Telefonica oder Vodafone geöffnet. Dass die Telekom hier nicht ins Blaue ausbaut, ohne relativ konservative Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorher anzustellen und
Bedarfsabfragen in den potentiellen Ausbaugebieten durchzuführen liegt auf der Hand. Kommt die kritische Masse dann nicht zu Stande und es bleibt bei einem prognostizierten
Verlust, kann man der DTAG nicht vorwerfen, nicht ausbauen zu wollen. Auch die KNB bauen nur dort aus, wo es sich für sie lohnt.
Sie treffen hierbei jedoch auf ein extrem günstiges Umfeld. Überall wo schon TV-Kabel liegt, ist der Ausbau für einen Appel und ein Ei zu haben.
Und - der entscheidende Punkt hierbei - sie unterliegen dabei überhaupt keiner Regulierung!

Rene Obermann fordert deshalb nicht zu unrecht, entweder die Telekom ebenfalls weitgehend aus der Regulierung zu entlassen oder
die Öffnung der KNB für andere TK-Anbieter. Diese Forderung ist alternativ nicht kummulativ!
Man muss kein ausgeprägter Gerechtigekeitsfaniker sein, um zu erkennen, dass hier einiges im Argen liegt, was die wettbewerbliche Gleichstellung anbelangt.
Kein privater Netzbetreiber kann und wird jemals einen Netzausbau forcieren, der von Anfang an als reines Verlustgeschäft betrachtet werden muss.
Man hat sich vor einigen Jahrzehnten strikt für eine durchgreifende Privatisierung entschieden. Die Zeiten einer staatlichen Monopolwirtschaft sind unwiederbringlich vorbei.
Monopole sind auf dem Deutschen TK-Markt nicht erwünscht. Damit müssen sich auch die bisher unbehelligt gebliebenen Kabelnetzbetreiber endlich abfinden.
Spätestens das nun gebildete Duopol widerspricht unserer selbst gewählten Liberaliserungsdoktrin.
Die Früchte der Liberalisierung fährt der Endkunde gerne ein und freut sich über die seit Jahren sinkenden Preise, dafür muss er eben auch billigend in Kauf nehmen,
dass der Ausbau massiv stockt. Beides zusammen geht einfach nicht reibungslos und wirkt sich eben nicht für alle gleich positiv aus.
Ergebnis: Des einen Freud', des anderen Leid - wie so oft im Leben...

Die extrem knappe Amortisationsdauer für das Netzausbaugeschäft im Bestand sollte eigentlich inzwischen auch jedem bekannt sein.
Oder muss ich hier den jüngst nivellierten § 43b TKG zitieren? Eigentlich ist mit diesem Paragraphen doch schon alles gesagt.
Eine sehr tolle Vorschrift für den Verbraucher, da er inzwischen sogar bei der Erstlaufzeit bei wenigstens einem Produkt auf maximal 1 Jahr verpflichtet werden kann.
Ich persönlich find's wirklich schön und gut, dass es so ist, sehe aber gleichzeitig die schwere Problematik dieser Vorschrift in ihrer Absolutheit.
Warum den Kabelnetzbetreibern dieser Paragraph bis heute herzlich egal sein kann, den Festnetzanbietern nicht, sollte auch eigentlich auch jedem klar sein.

Wenn ich (ohne Kabelanschluss) hinter Pfuiteufel wohnen und via DSL nur halbes "DSL Light" bekommen würde,
dann würde ich mich völlig schmerzfrei auch für mindesten 5 oder gar noch mehr Jahre bei einem DSL-Anbieter verpflichten,
wenn dieser im Gegenzug dafür bei mir ausbaut. Und wenn es am Ende nur für VDSL2+ wäre.

Vielleicht seht ihr jetzt, warum der KNB in solchen Randgebieten der Zivilisation inzwischen durchaus auf- und ausbaut.
Er kann fröhlich nach dem Friss- oder Strib-Prinzip arbeiten, da er - dank Monopol - keine Konkurrenz fürchten muss.
Der Kunde hat nach Ablauf der Erstlaufzeit nur die Wahl, das gebuchte Paket zu kündigen und zu DSL halblight zurückzukehren.
Was meint ihr in wie viel Promille der Fälle das real passiert?

Wenn Telekom & Co. weder die Möglichkeit haben, die Konkurrenz wenigstens mittelfristig außen vor zu halten, noch den Kunden längerfristig zu binden,
dann ist es um den für den Ausbau dringend notwendigen ROI äußerst schlecht bestellt. Wenn das Aktionärsboard nicht aus lauter Gutmenschen und Philanthropen
besteht, dann wird das für gewöhnlich nicht besonders honoriert...

Das olle Klingeldraht-DSL ist ein absolutes Auslaufmodell für aktuelle Geschwindigkeiten und VDSL ist Investitionstechnisch ein Milliardengrab das mehr oder weniger schlecht als recht funktioniert.

Klingeldraht an sich ist - was die Bandbreite anbelangt benachteiligt ggü. Kabel, ja. Ich selbst werde nicht müde das zu betonen. Aber wem wirfst du das vor?
Den klassischen Festnetzbetreibern? Ich bitte dich... "Klingeldraht" bzw. die Kupferdoppelader war das Telekommunikationsmedium des 20. Jahrhunderts und wird auch
im 21. Jahrhundert noch lange seine Berechtigung haben! Wo ist also dein Problem? Ohne das Kupferdoppel hätten wir bis vor zehn Jahren nur die Briefpost gehabt...

Die VDSL-Technologie an sich ist allerdings kein Milliardengrab. Die oben genannten Umstände machen es höchstens dazu.
Und Funktioniert tut es - entgegen deiner Behauptungen - übrigens hervorragend, trotz Kupferdoppel-TAL.
Jeder der einen hohen Upload braucht/ gerne hätte, wird stets zu VDSL greifen.
Wenn die Rückkanalbandbreite im Kabel in der Fläche auf ein vergleichbares Niveau gehieft wird

Nun ja, dann fordert mal schon weiter "Öffnungen" und "Liberalisierungen". Wohin das führt sieht man überall in Europa wo man dies bereits alles hinter sich hat. Niemand ist mehr für irgend etwas zuständig, es gibt keine Investitionen, die Netze verkommen und alles jammert das früher alles besser war.


Wie bereits ausgeführt, ist diese Grundsatzentscheidung längst gefallen und obendrein absolut irreversibel. Deshalb muss der eingeschlagene Weg auch für's Kabel fortgesetzt werden.
Ob du (oder ich) das in der Auswirkung guten finden, tut dabei überhaupt nichts zu Sache. Es gibt keinen sachlichen Grund, der eine Regulierungsausnahme für das Kabel begründen würde.
Erst recht nicht in der Dupol-Struktur des Jahres 2012. Investitionssicherheit der KNB hin oder her - Ausbaustau hin oder her; Gewollt ist Wettbewerb und kleine Preise für den Endkunden.

Ein Blick nach England zeigt wie toll doch Liberalisierung sein kann.....


Eine kluge Regulierung ist dem Netzausbau nicht per se hinderlich, sondern kann diesen sogar fördern.
Regulierung <-> Investitionssicherheit <-> Verbraucherschutz sind immer interdependent!
Deswegen ist es zwingend erforderlich für einen angemessen Ausgleich zu sorgen und die Abhängigkeiten so fein auszutarieren,
dass sich diese klassischen Zielkonflikte künftig in die Richtung halbkomplementärer Ziele bewegen.
Die Briten haben hierbei komplett versagt. Ich sehe uns in Deutschland da bisher auf einem deutlich besseren Weg.
Es ist zwar keine leichte Aufgabe, die hier der Politik und der BNetzA zukommt, doch sie ist lösbar.


Ich weiß, das ist ziemlich viel Text. Aber vielleicht versteht ihr jetzt, warum die KNB für mich eben nicht nur "die Guten" sind bzw. warum sie sich diesen "Goodguy"-Status leisten können.
Wären die FNB (allen voran die Telekom) ähnlich privilegiert wie die KNB, dann würden sie auch garantiert die selben "Kunststückchen" vollbringen wie die KNB.
Neben den nun wohl hinreichend beschriebenen Randumständen bezüglich Monopol und Regulierung ist das nun mal der klassische Bandbreitenvorteil des moderneren Koaxnetzes.
MfG,
HNIKAR

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Re: Kabel-Internet im Visier von Bundesnetzagentur (04.05.20

Beitragvon Invisible » 09.06.2012, 20:34

Wenn- ich sage wenn - das Breitbandkabel anderen geöffnet werden müsste würde UM keinerlei Interesse daran haben den Ausbau auf dem "flachen Land" zu betreiben und schnelles Internet auch auf den letzten Bauernhof zu bringen. Warum auch wenn man investiert und sich ein "billiger Jakob" dann für 10 € im Monat den Anschluss weg-mietet.
Genau deswegen öffnet die Telekom (mit gutem Recht) ihr VDSL nicht den Privaten.

Liberalisierung ist echt toll in Deutschland, man betrachte unsere Stromwirtschaft: tagtäglich kann uns ein Blackout erwischen weil niemand mehr einen Cent in die Netze investieren will die dann letztendlich von anderen genutzt werden.

Nun ja, ich rate jedem einmal den Versuch zu machen in England das herrlich liberalisierte Bahnnetz zu nutzen.... :D
Der Versuch dort bei einem freistehenden Gebäude Internet oder Telefon zu bekommen endet meist mit einem UMTS-Stick oder mit einem größeren Kredit bei der Hausbank.

USA ist doch das Musterland der Liberalisierung. Wollen wir auch Verhältnisse das es in kleinen Dörfern einen einzigen Telefonanschluss gibt und eben in 20 Häusern bei einem Anruf die Telefone klingeln? Mehr lohnt eben nicht....

Liberalisierung ist immer der Tod von Qualität und letztendlich auch von Innovation.

Die Telekomnetze sind durch die Öffnung bereits kurz vor dem Ende und in den Vermittlungsstellen sieht es aus wie auf der Müllhalde seit dem da Private und deren Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmer ihr Unwesen treiben.

Zum Glück sind wir im Kabel noch lange nicht so weit, nur Politikern ist schließlich jeder Irrsinn zuzutrauen.
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Re: Kabel-Internet im Visier von Bundesnetzagentur (04.05.20

Beitragvon webman » 10.06.2012, 10:07

Invisible hat geschrieben:Wenn- ich sage wenn - das Breitbandkabel anderen geöffnet werden müsste würde UM keinerlei Interesse daran haben den Ausbau auf dem "flachen Land" zu betreiben und schnelles Internet auch auf den letzten Bauernhof zu bringen. Warum auch wenn man investiert und sich ein "billiger Jakob" dann für 10 € im Monat den Anschluss weg-mietet.
Genau deswegen öffnet die Telekom (mit gutem Recht) ihr VDSL nicht den Privaten.


Die Aussage stimmt leider nicht, VDSL ist für resale frei - FTTH unterliegt der Regulierung nicht und wird exklusiv von T gebaut und vermarktet.
http://www.heise.de/netze/meldung/VDSL- ... -6173.html

Invisible hat geschrieben:Liberalisierung ist immer der Tod von Qualität und letztendlich auch von Innovation.


Das muss nicht zwangsläufig so sein, es kann ja auch wie in Deutschland eine "regulierte" Liberalisierung sein.

Invisible hat geschrieben:Die Telekomnetze sind durch die Öffnung bereits kurz vor dem Ende und in den Vermittlungsstellen sieht es aus wie auf der Müllhalde seit dem da Private und deren Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmer ihr Unwesen treiben. Zum Glück sind wir im Kabel noch lange nicht so weit, nur Politikern ist schließlich jeder Irrsinn zuzutrauen.


Die Kunden möchten aber auch günstige Preise, ohne von dem Geschäftsgebaren eines Monopolisten abhängig zu sein. Aber richtig ist natürlich auch, dass Kosten nicht das allein seligmachende sind.
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